Vom entspannten Reiten im Regen

Als Outdoor-Junkie hat man keine Wahl – es reitet sich auch im Regen gut, wenn man a) eine Garnitur trockene Wäsche dabei hat und b) ein Pferd, das selbst bei turbulenten Wetterereignissen die Nerven behält.

Ereignisse außerhalb der Komfortzone schweißen zusammen. Letzten Winter habe ich meine #immernochdraussen Challenge lanciert und bin nahezu täglich im Freien geritten. Voraussetzung dafür sind reitbare Böden, die wir definitiv haben, und eine gewisse Wetterfestigkeit. Letztere habe ich, wie auch mein Buschpony Ben. Ich erinnere mich an das Pferdekind zurück, das sehr intolerant bei Windböen von der Seite und bei Regentropfen von oben war. Rinnsale, die Richtung Flanken flossen, haben mich mehrmals an den Rand meiner Courage gebracht. Das ist mit meinem Glückskeks Ben ganz anders. Er hat die Härte des Vollbluts und ist mental stark genug, um nicht bei jedem Wetterumschwung die Fassung zu verlieren.

In dieser nun abgelaufenen Turniersaison erlebten wir bei zwei von vier Starts Sintfluten, die vom Himmel stürzten als würde die Welt untergehen. An normales Abreiten war nicht zu denken. Zu viele Pferde auf zu tiefem Boden, der Schlamm hat bis über die Ohren gespritzt. Mit dem besten aller Ponys findet man immer Möglichkeiten und Lösungen – etwa jene, auf dem Parkplatz zwischen den Autos ein paar Übergänge zu reiten und Haltparaden zu üben. Ein kleiner Gehorsamssprung, lediglich um den tiefen Boden zu erfühlen, musste reichen.

Turnierkulissen sind grundsätzlich beeindruckend, ich könnte aber nicht sagen, dass prasselnder Regen schlimmer ist als Sonnenlicht, das reflektiert. Der nicht zu unterschätzende Unterschied ist lediglich die Nässe bis auf die Haut und wieder zurück. Das Reiten selbst funktioniert im Parcours ebenso wie im Dressurviereck ganz passabel. Gut vorbereitete und fein gerittene Pferde lassen sich selbst dann durch die Prüfung steuern, wenn die Bügel rutschen, die Zügel glitschig werden und der Regen jegliche Sicht nimmt. Das Pony blieb fehlerfrei.

Zurück im trockenen Stall ist die Freude groß, sogar ein wenig euphorisch, was vermutlich an den Glückshormonen liegt, die so ein Ritt mit sich bringt. Nasse Pferde müssen natürlich immer besonders gewissenhaft abgepflegt werden – egal, ob sie schweiß- oder regennass oder beides sind. Wasserschlauch, Schweißmesser, Solarium, Fließdecke und gewissenhaftes Trockenführen sind die Mittel der Wahl. Sie gewährleisten, dass das Pferd mit entspannter Muskulatur in die Box zurückkehrt. Meine Erfahrung ist, dass Pferde Wetterkapriolen gut wegstecken. Meist profitiert die Beziehung zwischen Reiter und Pferd sogar davon, wenn man gemeinsam Ereignisse außerhalb der Komfortzone erfolgreich meistert.

TIPP der Pferdefrau: Trockene Kleidung, Haube, Sportschuhe und Jacken (Plural) fahren immer im Auto mit. Es gibt mehr Gelegenheiten als man denkt, bei denen man selbst oder eine Kollegin froh über Ersatzkleidung ist.


Turnierfoto mit Ben beim CCN-A Ried: © Lens Of Harmony
Text: Andrea Kerssenbrock

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