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Mythos: Das Abziehen von Wasser schützt vor Überhitzung

Mythos: Das Abziehen von Wasser schützt vor Überhitzung

Es ist ein hartnäckiges Gerücht, dass Wasser abgezogen werden muss, weil es sonst das Pferd noch heißer werden lässt, erklärt Dr. David Marlin – und  räumt mit dem Mythos des Abziehens mit dem Schweißmesser auf.

Pferde mit kaltem Wasser abzuspritzen, um sie zu kühlen ist der Schlüssel zur Temperaturreduzierung. So weit, so klar. Trotzdem hält sich immer noch das Gerücht, dass ein Pferd nach der Dusche mit dem Schweißmesser abgezogen werden muss. Ansonsten könne das Fell „zu kochen beginnen“. Das ist Unsinn, erklärt Experte Dr. David Marlin, der schon seit vielen Jahren zu diesem Thema forscht. Genau wie wir Menschen an einem heißen Tag aus dem Schwimmbad steigen und nicht zu kochen beginnen, wenn wir uns nicht abtrocknen, so wenig ist das bei Pferden der Fall. Ansonsten würden Wildpferde weder Seen noch Flüsse nutzen, wo sie hinterher ebenfalls nicht abgezogen werden. Der Hitzetod ist eine der qualvollsten Möglichkeiten zu sterben und kein Pferd würde sich dem aussetzen.

Kaltes Wasser erwärmt sich auf einem Pferd, weil sein Körper Hitze an das Wasser abgibt – und nicht, weil die Sonne es aufheizt, so Dr. Merlin. Je größer der Temperaturunterschied zwischen der Körpertemperatur des Pferdes und der Temperatur des Wassers, das gerne kalt sein darf, desto stärker der Effekt. Die Wassermenge im Fell ist nach einer Dusche zu gering, um isolierend zu wirken. „Wasser leitet Wärme besser als Luft. Deshalb ziehen wir im Winter verschwitzte Pferde ab; man will sie ja nicht nass lassen, sonst frieren sie.“ Im Sommer kann man sein Pferd hingegen guten Gewissens duschen oder mit ihm schwimmen gehen. Die Verdunstung von Wasser verbraucht Energie und kühlt die Oberfläche, auf der sich das Wasser befindet. Dies ist effizient und führt dazu, dass ein nasses Pferd kühler bleibt als ein trockenes. Die Verdunstungskühlung ist jedoch deutlich langsamer als die Wärmeleitung.

Es ist auch ein Gerücht, dass man gewisse Körperstellen beim Abspritzen aussparen soll. Ist ein Pferd stark überhitzt, hilft nur die kontinuierliche Zufuhr von Wasser, um einen Kollaps oder Schlimmeres zu verhindern. Einen maximalen Kühleffekt erzielt man dann, wenn man das ganze Pferd abspritzt. Das Abziehen mit dem Schweißmesser würde in so einem extremen Fall sogar schaden, weil es den Abkühlungsprozess verlangsamen kann: „Bei schwerer Hyperthermie kommt es darauf an, wie schnell man die Temperatur senken kann, egal ob es sich um Menschen, Pferde oder Hunde handelt.“

Besteht der Verdacht auf eine gefährliche Überhitzung, muss unbedingt ein Tierarzt gerufen werden. Bei Überhitzung, ist ein schnelles Abkühlen der Körpertemperatur die wichtigste Maßnahme. Was man nach Geländeritten oft sieht, das Überschütten des Pferdes mit kaltem Wasser, am besten von beiden Seiten des Pferdes mit Eimern, ist die effektivste Methode, um ein überhitztes Pferd schnell zu kühlen. Es wird hierfür sehr kaltes oder sogar Eiswasser empfohlen. Die Regel sich langsam mit dem Wasser von unten über die Gliedmaßen nach oben zu Rumpf und Hals vorzuarbeiten, gilt in diesem Fall nicht! In extremen Situationen hat das aggressive und schnelle Runterkühlen des Pferdes absolute Priorität.


Quellen: Pferdesport Deutschland, HORSE&HOUND

Recherche & Fotos: © Andrea Kerssenbrock