Meine Pferde hatten immer ein ausgeprägtes Schlafbedürfnis. Ich frage mich, wie gut sie schlafen, wenn die Nächte tropisch sind.
21.06.2026. Bin heute gegen Mittag in den Stall gekommen und war positiv überrascht wie angenehm unser Stallklima ist. Unsere Pferde kommen um sechs Uhr früh fix und fertig angezogen auf die Wiese und bleiben etwa vier Stunden. Sie haben auf der Weide immer frisches Wasser zur Verfügung und auch Schatten. Je nach Lage der Koppel mehr oder weniger. Ben hat keinerlei Insektenstiche und trockenes Fell, keine Spuren von Schweiß. Er macht gerade Pause vom Fressen, ist also satt und wartet mit gespitzten Ohren auf Beschäftigung, für richtige Arbeit ist es zu heiß.
Heute hatten wir es fein bei einer Schrittrunde im schattigen Wald und leichter Dressurlektionen in der Halle. Angesichts der hohen Temperaturen lag der Kokus auf Halten, Rückwärtstreten, Schrittpirouetten und Übergängen. Anschließend ging es wieder raus in die Natur. Bewegte Luft ist besser als stehende. Sie belastet auch den Kreislauf weniger. Ist ein Pferd matt oder zeigt Kreislaufprobleme hilft ein kleiner Farbtest: Schleimhäute durch Fingerdruck überprüfen! Wenn der Druck nachlässt, sollten sie unmittelbar wieder ihre rosa Farbe haben. Bleiben sie weiß, ist das ein Alarmsignal. Als erste Maßnahme hilft eine kalte Dusche andersrum, also von unten nach oben.
21.06.2023. Wenn ich in den Stall komme, werfe ich immer einen Blick auf das Fell meiner Pferde. Erkenne ich Liegespuren, Abdrücke oder verklebte Stellen im Fell, weiß ich, sie sind gelegen. Dann bin ich beruhigt. Manchmal komme ich auch in den Stall und treffe sie beim Liegen an. Der Pferdebub liegt besonders gern nach dem Ausmisten und Einstreuen. Dann ist das Bett sauber und frisch aufgeschüttelt, der Bauch voll mit Raufutter und im Stall herrscht Ruhe. Die meisten Pferde liegen in der Nacht. Dazu müssen sie körperlich in der Lage sein und sich sicher genug fühlen.
Anlässlich der Recherche für einen Artikel zur Lebensqualität alter Pferde, hatte ich ein Gespräch mit der Tierärztin Sonja Berger von der VetMed Uni Wien (Interne Medizin). Sie sagt nachdrücklich und klar: „Ein Pferd muss tief schlafen können. Das bedeutet, dass es sich hinlegen, in Seitenlage erholen und wieder aufstehen kann. Pferde müssen im Liegen schlafen!“ Wenn ein Pferd tagelang nicht abliegen kann, stellt das eine Gefahr für das Leben des Pferdes dar. Die Bedeutung von ungestörten Schlafphasen ist also immens wichtig – auch bei Hitze. Das Krankheitsbild zum Schlafdefizit nennt sich Sleeping Disorder (Schlafstörung) – es beschreibt einen Zustand, bei dem es an Schlafqualität, Zeit und Dauer des Schlafes mangelt. Als Folge davon können Stress, Leistungsabfall und Funktionsstörungen wie Verdauungsprobleme oder ein geschwächtes Immunsystem entstehen.
Das lässt die Schlussfolgerung zu, dass Schlafentzug und schlechter Schlaf das Pferd ebenso belasten wie den Menschen. Wenn ich an Hitzetagen in den Stall komme und sehe, dass meine Pferde recht schlapp und leicht verschwitzt in ihren Boxen stehen, stellt sich durchaus die Frage, ob sie eine erholsame Nacht hatten. Hohe Temperaturen müssen selbstverständlich im Training berücksichtigt werden. Erfrischende Kneippkuren und das gewissenhafte Abpflegen in der Waschbox sind an Tagen wie diesen ohnehin Standard. Mit kaltem Wasser am ganzen Körper bin ich immer vorsichtig. Ich halte es so, wie ich es mir für mich vorstelle: erst an den Beinen, vorsichtig nach oben, den Wasserstrahl nicht zu hart, sondern eher auf Sprühregen und empfindliche Körperpartien lieber mit dem Schwamm kühlen.
Zeigt mein Pferd schlappes Verhaltens in der Box und ist beim Reiten unkonzentriert, genervt oder reizbar, kann ein Grund dafür ein hitzebedingt schlechter Schlaf sein. Regelmäßig beobachte ich, dass meine Pferde recht gut mit der Hitze umgehen können. Vielleicht ist ihr Schlaf sogar tiefer als meiner.
Anmerkung: Dieser Beitrag beruht auf persönlichen Erfahrungen. Trotz sorgfältiger Recherche habe ich keine wissenschaftlich fundierte Studie zum Schlafverhalten von Pferden bei Hitze gefunden.
Foto & Text: Andrea Kerssenbrock
