Zwischen Pferdeglück, Familienleben und dem Mut zur Selbstständigkeit – drei Pferde in Offenstallhaltung, zwei kleine Kinder und eine große Leidenschaft für den Wein: Katrin Steineder ist begeisterte Wanderreiterin, stolze Mama und seit Kurzem als mobile Kellermeisterin selbstständig.
Als Mitglied im HorseFolk-Club für Pferdefrauen verbindet sie ihre Liebe zu Pferden mit einem abwechslungsreichen Familienalltag und ihrem eigenen Unternehmen. Was sich hinter dem Beruf der mobilen Kellermeisterin verbirgt, warum sie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat und wie sie all ihre Leidenschaften unter einen Hut bringt, erzählt sie uns mit fröhlichem Schwung und erfrischender Offenheit.
Andrea Kerssenbrock
Katrin, stell dich bitte einmal kurz vor und erzähl uns über deinen Beruf, deine Beziehung zu Pferden und wie du lebst.
Katrin Steineder
Ich bin Katrin Steineder, 38 Jahre jung, und komme aus Falkenstein im wunderschönen Weinviertel. Nach 15 Jahren als angestellte Weinbauberaterin und Kellermeisterin am elterlichen Betrieb, habe ich im September 2026 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und mein eigenes Unternehmen „die mobile Kellermeisterin“ gegründet.
Der Wunsch, einmal auf eigenen Beinen zu stehen und meine beruflichen Vorstellungen selbst verwirklichen zu können, hat mich eigentlich schon immer begleitet. Ursprünglich war mein Lebensplan ein anderer: Ich wollte den landwirtschaftlichen Betrieb meiner Eltern übernehmen und weiterführen. Doch manchmal nimmt das Leben unerwartete Wendungen. Aufgrund familiärer Differenzen musste ich diesen Traum loslassen und mein Elternhaus verlassen. Das war keine leichte Zeit, aber rückblickend auch ein entscheidender Wendepunkt in meinem Leben.
In dieser Phase durfte ich glücklicherweise zum zweiten Mal Mama werden. Während meiner zweiten Karenz wurde mir dann bewusst, dass viele Winzer, die ich über Jahre hinweg betreut hatte, auf meine fachliche Unterstützung nicht verzichten wollten. Immer wieder bekam ich Anrufe mit der Frage, ob ich sie nicht auch unabhängig von meiner bisherigen Tätigkeit beraten könnte. Aufgrund meines aufrechten Dienstverhältnisses war das damals natürlich nicht möglich. Aber diese Anfragen haben mir gezeigt, wie viel Vertrauen sich über die Jahre aufgebaut hatte und dass meine Arbeit tatsächlich geschätzt wurde. Also habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen, meine langjährige Erfahrung, mein Fachwissen und vor allem meine Leidenschaft für den Wein in die Waagschale geworfen und im September 2026 mein eigenes Unternehmen gegründet „die mobile Kellermeisterin – Ing. Katrin Steineder B.A.“
Was für ein großer Schritt! Erklär uns doch bitte kurz: Was ist eine mobile Kellermeisterin?
Katrin lacht. Ja, genau das werde ich tatsächlich oft gefragt, vor allem von Menschen, die mit der Landwirtschaft oder der Weinbranche wenig zu tun haben. Im Grunde ist es ganz einfach: Ich bringe mein Fachwissen und meine Erfahrung direkt dorthin, wo sie gebraucht werden – zu den Winzern in den Weinkeller.
Ich habe viel darüber nachgedacht, wie sich die Weinbranche verändert und wie man die Beratung zeitgemäßer, persönlicher und praxisnäher gestalten könnte. Als mobile Kellermeisterin begleite ich Weinbaubetriebe durch den gesamten Prozess der Weinbereitung – von der Traube bis zum fertigen Wein. Dabei geht es nicht nur um Analysen und fachliche Empfehlungen, sondern auch darum, mit anzupacken, Entscheidungen gemeinsam zu treffen und jeden Wein individuell zu betrachten.
Gibt es dafür auch eine eigene Ausbildung?
Ja, auf jeden Fall! Ich habe die Höhere Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg besucht und dort 2007 maturiert. Anschließend habe ich an der Fachhochschule Eisenstadt „Internationales Weinmanagement“ studiert und mein Studium mit dem Bachelor abgeschlossen.
Besonders wertvoll waren für mich auch meine Erfahrungen im Ausland. Ich durfte sowohl in Südafrika als auch in Neuseeland in der Weinproduktion arbeiten und kelterte die Weine am elterlichen Betrieb über ein Jahrzehnt lang. Gerade diese Kombination aus fundierter Ausbildung, internationaler Erfahrung und mittlerweile vielen Jahren in der Praxis hat meinen Zugang zum Wein sehr geprägt.
Wow! Und wie läuft das ab? Du wirst zuerst von einem Winzer kontaktiert.
Ja, genau! Viele Winzer melden sich bereits im Sommer bei mir, mit einigen verbindet mich aber auch schon eine langjährige Zusammenarbeit.
Meistens starten wir mit einem gemeinsamen Rundgang durch die Weingärten. Wir beurteilen den Gesundheitszustand der Rebstöcke, die Traubenqualität und den Reifegrad. Mithilfe verschiedener Analysen können wir bereits abschätzen, wann der optimale Lesezeitpunkt gekommen ist. Anschließend besprechen wir die Vorstellungen und Ziele des Winzers. Möchte er seine Weinqualität verbessern oder vielleicht sogar bei Prämierungen ganz vorne mitmischen? Gemeinsam entwickeln wir die gewünschte Weinstilistik und stimmen die Verarbeitung darauf ab. Während der Weinlese und der anschließenden Weinbereitung begleite ich die Betriebe mit Analysen, Verkostungen, fachlichen Empfehlungen und praktischer Unterstützung.
Wie kann man die Verarbeitung darauf abstimmen?
Der Jahrgang 2026 war wirklich außergewöhnlich herausfordernd. Extreme Hitze und lange Trockenperioden haben den Rebstöcken enorm zugesetzt. In manchen Regionen fiel zwischen April und August kaum Regen. Durch den Wassermangel blieben die Beeren klein und saftarm, während die intensive Sonneneinstrahlung ihre Schalen zunehmend verhärtete.
Das Ergebnis waren sehr reife, oft säurearme Trauben. Gerade im Weinviertel, wo wir unsere Weißweine für ihre Frische, Fruchtigkeit und Lebendigkeit schätzen, stellt uns das vor große Herausforderungen. Großen Einfluss haben daher Faktoren wie: Temperatur zum Lesezeitpunkt, Oxidationsschutz, schonende und stabilisierende Verarbeitungsschritte, reduktive Bedingungen im gesamten Verarbeitungsprozess schaffen und die Qualität die uns die Natur im Weingarten mit den Trauben gebracht hat im Weinkeller zu erhalten und verfeinern!
Teilweise wurde deshalb schon zwischen zwei und fünf Uhr morgens gelesen, um die kühleren Temperaturen zu nutzen. Außerdem begann die Weinlese heuer rund einen Monat früher als in einem durchschnittlichen Jahr.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir in meiner Kindheit oft erst rund um den Nationalfeiertag am 26. Oktober mit der Weinlese begonnen haben. Heute ist das kaum mehr vorstellbar. Daran erkennt man sehr deutlich, wie sehr der Klimawandel den Weinbau und die Landwirtschaft insgesamt verändert.
Ist die Idee diesen Beruf zu erlernen und zu studieren aus deiner persönlichen Situation entstanden?
Ja, absolut! Ich bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen, als mittlere von drei Schwestern. Schon als Kind war ich am liebsten draußen in der Natur, umgeben von meinen Tieren. Ursprünglich wollte ich sogar Veterinärmedizin studieren. Davon wurde mir von den Eltern allerdings aufgrund der langen Studiendauer und der hohen Kosten abgeraten. Also habe ich meinen eigenen Weg in der Landwirtschaft gesucht und schließlich meine Leidenschaft für den Wein entdeckt. Nach der Weinbauschule und dem Studium zog es mich hinaus in die große weite Welt. Ich war schon immer unglaublich neugierig, wissbegierig und ehrgeizig. Mir hat es nie gereicht, nur zu wissen, wie etwas funktioniert – ich wollte immer auch verstehen, warum.
Bist du deinem jetzigen Berufsbild im Ausland begegnet?
Ja, tatsächlich in Neuseeland! Dort bin ich erstmals dem sogenannten „Flying Winemaker“ begegnet. Das ist ein international erfahrener Weinexperte, der von Weingut zu Weingut reist – in Ländern wie den USA aufgrund der großen Entfernungen teilweise sogar mit dem Flugzeug. Daher auch der Name. Für mich waren diese Menschen damals echte Vorbilder. Sie bringen unglaublich viel Wissen und Erfahrung aus unterschiedlichsten Betrieben mit, erkennen Verbesserungspotenziale und bringen frische Perspektiven ein. Genau darin sehe ich auch den großen Mehrwert meiner Arbeit. Wir haben in Österreich hervorragende Winzer, aber im eigenen Betrieb wird man manchmal ein wenig betriebsblind. Oft braucht es einfach einen Blick von außen, neue Ideen und den Mut, Bestehendes zu hinterfragen.
Okay, das ist dein berufliches Leben. Nun aber zu den Pferden. Seit wann und wie bist du aufs Pferd gekommen? Du hast dir ja erst als Erwachsene den Traum vom eigenen Pferd verwirklicht. Erzähl mal.
Oh ja, das war tatsächlich ein großer Kindheitstraum von mir! Ich wollte schon immer reiten lernen, durfte aber nicht, weil es meinen Eltern zu teuer und zu gefährlich war. Sie haben immer gesagt: „Wenn du einmal dein eigenes Geld verdienst, kannst du damit machen, was du möchtest.“
Und genau das habe ich getan! Katrin lacht. Mit 21 Jahren habe ich mir von meinem ersten Gehalt meine ersten Reitstunden im Reitsportzentrum Hollabrunn finanziert. Anfangs war das schon ein bisschen lustig, denn die meisten Reitanfänger waren Kinder und ich mittendrin. Bald darauf durfte ich eine kleine ungarische Warmblutstute namens Angy mitreiten, die einen wunderschönen weißen Stern auf der Stirn hatte. Mit 25 Jahren habe ich mir schließlich meinen Traum vom eigenen Pferd erfüllt und meinen Karo gekauft. Er ist mittlerweile 23 Jahre alt und begleitet mich bis heute.
Mit Karo habe ich meinen Reiterpass und meine Reiternadel absolviert. Wir haben gemeinsam unglaublich viel erlebt. Besonders das Wanderreiten hat es mir angetan, aber auch das Springen und erste Erfahrungen in der Vielseitigkeit haben mich begeistert.
Für mich sind Pferde bis heute viel mehr als ein Hobby. Sie sind meine Leidenschaft, mein Ausgleich und ein unglaublich wichtiger Teil meines Lebens – sie sind Teil meiner eigenen Familie! Weil mein lieber Karo im Alter leider Arthrose bekommen hat, habe ich mich irgendwann nach einem Nachfolgepferd umgesehen. Und so kam Rocco, ein Furioso-North Star, in mein Leben.
Als ich ihn zum ersten Mal auf einem Bild sah, war er gerade einmal drei Tage alt. Da Karo leider ein Wanderpokal war bis er mich gefunden hatte und deswegen leider ein paar Probleme mitbrachte, war für mich immer klar: Ein neues Pferd kommt nur im Fohlenalter zu uns, und es muss einfach Klick machen! Und genau so war es bei Rocco. Er lag völlig entspannt auf der Koppel und schlief, als meine Freundin Katrin – ja, ebenfalls eine Katrin! –, mein Lebensgefährte Andreas und ich zu ihm kamen. Wir streichelten ihn, er hob kurz verschlafen den Kopf, ganz nach dem Motto: „Wer stört denn jetzt meine Ruhe?“, und schnarchte seelenruhig weiter. Katrin lacht. Da war es um uns geschehen! Ich dachte mir: Wenn dieses Fohlen schon so jung so gelassen und cool ist, obwohl drei Fremde um es herumstehen, dann wird das später bestimmt eine richtig coole Socke!
Nach dem Absetzen holte ich Rocco zu uns nach Hause, wo er gemeinsam mit meinem Karo aufwuchs. Allerdings wollte der junge Herr partout nicht alleine bleiben, wenn ich mit meinem Oldie ausreiten ging. Also machten wir uns auf die Suche nach einem Kinderpony. Meine Tierärztin gab mir allerdings den guten Rat, lieber ein Pferd zu kaufen, das auch ich selbst reiten kann. Und so wurde aus dem geplanten Kinderpony schließlich ein Haflinger.
Willi kam zu uns. Eigentlich wurde er uns als kleiner, zarter Haflinger verkauft, der einmal ein ideales Kinderpony werden sollte. Tja, mittlerweile ist aus ihm eine richtige Sportmaschine geworden! Katrin lacht. Du hast ihn ja bei deinem Vielseitigkeitskurs selbst kennengelernt. (Anm. Katrin ist bei meinem Vielseitigkeitskurs mitgeritten) Und was soll ich sagen? Ich bin mittlerweile bis über beide Ohren in diesen Haflinger verliebt! Er hat sich ganz anders entwickelt als ursprünglich geplant, aber genau das macht ihn so besonders – Kinderpony und Mamas Sportpony zugleich.
Das Schönste ist, dass meine Familie voll hinter mir steht und mich in allem unterstützt. Besonders meine Schwiegermutter ist eine große Hilfe und übernimmt immer wieder die Kinderbetreuung. Mittlerweile sind die beiden aber auch schon in einem Alter (Anton 4,5 Jahre und Josie 16 Monate), in dem sie mich gerne in den Stall begleiten. Unser Karo ist dabei ein richtiger Schatz. Mit seinen 23 Jahren ist er ein liebevoller, geduldiger Oldie und für die Kinder wie ein vierbeiniger Opa.
Na, voll nett. Das sind Geschichten, die das Leben schreibt. – Und das Leben, das die Geschichten schreibt. –Katrin, vielen Dank für das Gespräch!
Fotos: © Silvia Hintermayer | candid moments & privat
Frauen, die sich oder ihr Unternehmen auf HorseFolk vorstellen möchten, lade ich dazu ein, sich direkt an mich zu wenden: andrea.kerssenbrock@gmail.com
