Springausbilder Michael Rösch erklärt in diesem Artikel, wie ein geschmeidiger Richtungswechsel im Parcours gelingt. Während erfahrene Pferde den Galoppwechsel ohne viel Aufhebens über dem Sprung absolvieren, kann man weniger routinierte Pferde mit einigen Übungen schulen und damit an die Landung im richtigen Galopp heranführen.
Michael Rösch betreibt das Reitzentrum Bad Fischau-Brunn, er ist bzw. war in zahlreichen Funktionen innerhalb des Springsports aktiv – als Reiter bis zur hohen Klasse, Ausbilder, Turnierveranstalter und Referent. Vor allem aber ist er Pferdemann durch und durch. Als Springtrainer hat er meine Ausbildung bis hin zur staatlich geprüften Reitlehrerin begleitet und maßgeblich beeinflusst. Was ihn besonders auszeichnet, sind seine stets klaren Worte, geballtes Pferdewissen und die Erfahrungen aus jahrzehntelanger Praxis.
Der koordinierte Sprungablauf
Für Springausbilder Michael Rösch ist der Sprungablauf des Pferdes das Maß der Dinge, damit ein flüssiger Handwechsel gelingt: „Ohne koordinierten Sprungablauf fällt es dem Pferd schwer, schön über einen Sprung zu kommen. Daher gehen wir in dieser Sache von einem koordinierten Sprungablauf aus. Die Landung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Denn wenn das Pferd in der Landung schnell wieder „auf die Beine kommt“, also schnell wieder mit der Hinterhand unter den Schwerpunkt springt, genügt es für den Handwechsel im Allgemeinen, wenn der Reiter mit dem Gewicht in die richtige Richtung landet.“ Die Reiterin belastet dabei den neuen inneren Steigbügel und schaut in die neue Richtung. Bei gut gerittenen Pferden reicht das in der Regel aus. „Normalerweise ist die saubere Landung das Resultat der Mischung aus Reiterverhalten und Talent des Pferdes“, weiß der Trainer.
Das Talent des Pferdes schulen
„Wie man weiß, gibt es Pferde, die für gewisse Dinge talentiert und weniger talentiert sind. Das hängt meist mit der Lastaufnahme nach dem Sprung zusammen“, so der Ausbilder. Ein Pferd, das nach dem Sprung lange braucht, um mit den Hinterfüßen wieder unter den Schwerpunkt zu kommen, gerät leichter aus dem Gleichgewicht und landet dadurch leichter im falschen Galopp. Schwerer tun sich auch jene Pferde, die den Absprung nicht finden, dann einen fast schon übertriebenen Sprung machen und dabei vorderlastig werden. Mit gezieltem Training, Gymnastik und Regelmäßigkeit kann man die Geschicklichkeit des Pferdes fördern. Gut geeignet sind hier Gymnastikreihen.
Die Arbeit mit Bodenstangen
Was sagt der Profi zur Schulung über Bodenstangen? „Eine Bodenstange kann helfen, jedoch neigen manche Pferde dabei zu flachen Galoppsprüngen.“ Er empfiehlt auf eine gute Flugphase zu achten und lieber einen kleinen Sprung aufzubauen. Auch von endlosem (ermüdendem) Galoppieren sei eher abzuraten. Gerade Springpferde müssen wach und flink bleiben, um eine Abfolge von Hindernissen flüssig zu überwinden. Expertentipp: Fürs Trainieren des Handwechsels einen kleinen Sprung oder ein Kreuz von 40 bis 50 cm Höhe aufzubauen, verhilft dem Pferd zu einer schönen Flugphase und damit zu mehr Zeit für den Galoppwechsel. Ist der Sprung zu niedrig, „wischt“ so manches Pferd zu flach darüber.
Regelmäßiges Training
Wie bei jedem Sport gilt auch im Springsport: Wer konsequent trainiert, erreicht mehr. Mit einem guten Trainingsplan stellt sich beim Pferd wie auch beim Reiter bald ein Gefühl für das Hindernis ein. Man weiß, wie sich ein guter Sprung anfühlen soll, hat gelernt, auch aus unpassenden Distanzen das Beste zu machen und kann ein Hindernis aktiv anreiten. Rösch: „Wir gehen mal davon aus, dass sich der Reiter über dem Sprung richtig verhält. Also den inneren Bügel belastet, in die richtige Richtung schaut und vielleicht sogar das äußere Bein weiter hinten hat. Dann ist die Landung im richtigen Galopp recht wahrscheinlich.“ Ganz sicher geht der Wechsel schief, wenn man ihn über den Zügel (mit der Hand) reitet, betont der Trainer. Damit erreicht man oft stattdessen, dass das Pferd über die äußere Schulter ausfällt und erst recht im (falschen) Außengalopp landet.
MERKE: Ein gelungener Galoppwechsel über dem Sprung funktioniert nur durch Gewichtshilfen.
Praktische Übung – den Richtungswechsel markieren
Michael Rösch kennt eine Übung, die sich bei der Schulung des Handwechsels ganz besonders bewährt hat: „Was gut funktioniert ist ein V, das ich nach dem Sprung auflege, etwa mit zwei Cavaletti. Wenn ich dann den kleinen Sprung aus der Mitte anreite und einmal rechts, einmal links abwende, lernt das Pferd sehr schnell, im richtigen Galopp zu landen.“ Die Cavaletti (es können auch Stangen oder Pylonen sein) werden bei dieser Übung V-förmig hinter dem Sprung platziert. Die Spitze des V schaut dabei zum Sprung, der Abstand zwischen Spitze und Sprung beträgt 2,80 bis 3,00 m, damit das Pferd sicher dazwischen landen kann.
Bei besonders untalentierten Pferden kann man diese Übung in der Halle Richtung Bande aufbauen. Dabei stellt man den Sprung schräg zur Bande und ein (!) Cavaletti dahinter. Die Bande ist gleichzeitig Begrenzung und optische äußere Hilfe und gibt so die neue Richtung vor.
Die Flugphase verlängern
Ein weiterer Effekt des V hinter dem Sprung: Die Pferde springen meist etwas nachdrücklicher ab und verlängern damit ihre Flugphase. Je länger die Flugphase, desto mehr Zeit hat das Pferd in der Luft zum Wechseln. Rösch verweist auf die Thematik in der Dressur: „Ein ähnliches Thema haben wir beim fliegenden Galoppwechsel, wo die Qualität des Galoppsprungs ebenfalls eine entscheidende Rolle spielt. Oft denkt der Reiter zu sehr ans Versammeln und reitet retour, was jedoch die Schwebephase im Galopp verkürzt. Das Pferd hat weniger Zeit und Raum und tut sich mit einem flüssigen Wechsel erst recht schwer.“
Beherztes Galoppieren
Um einen Parcours flüssig zu absolvieren, braucht es nicht nur Mut und Geschick, sondern auch ein Gefühl für die richtige Technik, das Tempo und die Möglichkeiten des Pferdes. Jede:r Springreiter:in muss sein Pferd von hinten schließen und gut vor dem Bein haben. Das Pferd mit der Hand um die Wendungen zu ziehen, geht fast immer mit Taktstörungen oder Balanceverlust einher. Schlimmstenfalls rutschen dem Pferd die Hinterbeine weg, bestenfalls hilft es sich mit Kreuzgalopp.
Von Anfang an mit Plan
Schon beim Überqueren der Startlinie soll das Pferd rhythmisch und im richtigen Galopp auf das erste Hindernis hin galoppieren. Selbst wenn es auf gerader Linie einen bevorzugten Galopp hat – etwa lieber im Linksgalopp abspringt – muss es, um im Fluss zu bleiben, die Chance bekommen, in jeder Wendung ordentlich, also im Gleichgewicht um die Kurve zu kommen. „Besonders wichtig ist der Handgalopp in engen Wendungen und in der Halle, sonst tun sich die Pferde schon sehr schwer“, betont Michael Rösch.
Fazit
Wer sich als Reiter:in über dem Sprung richtig verhält und mit Gewicht und Blick schon in die neue Richtung reitet, erreicht beim Pferd, dass es korrekt landet und damit gut im Fluss bleibt. Wenig Bedeutung hat das bei Pferden, die den fliegenden Galoppwechsel ohnehin beherrschen, denn sie wechseln meist ganz von selbst in den richtigen Galopp. Wichtig: Nicht über die Hand reiten!
Anmerkung: Das Gespräch mit Michael Rösch fand im Rahmen meiner Ausbildungsserie für die Print-Ausgabe der Pferderevue im Jahr 2022 statt.
Titelbild: © Team Myrtill | Text & Beitragsfotos: © Andrea Kerssenbrock
