Atemwegsprobleme beim Pferd

Für Pferde mit Atemwegserkrankungen ist die Wintersaison eine echte Saure-Gurken-Zeit. Kalte Temperaturen, Zugluft, geschlossene Stallfenster, erhöhte Staubbelastung – wir hätten bitte gerne Frühlingsluft.

Für das Flucht- und Beutetier Pferd entscheidet die Leistungsfähigkeit seiner Lunge über Leben und Tod. Das gesamte Lungenvolumen eines 500 Kilo schweren Pferdes beträgt etwa 40 bis 55 Liter. Pro Tag strömen ungefähr 90.000 Liter Luft und mit ihr eine ganze Menge an Staub und Schadstoffen durch die Lungen eines Pferdes. Um so große Luftmengen zu bewegen, ist eine erhebliche Atemarbeit erforderlich, verbunden mit hohem Energieaufwand. Trotz diesen enormen Fähigkeiten ist die Lunge des Pferdes ein empfindliches Organ.

Ein gesunder Atemkreislauf ist darum für das Wohlbefinden und die Gesundheit jedes Pferdes essenziell. Sauerstoff ist Leben. Er ist notwendig für den Energiestoffwechsel des Körpers. Die normale Atemfrequenz eines Pferdes in Ruhe beträgt etwa 10 bis 18 Atemzüge pro Minute. Bei starker Anstrengung kann sich diese Frequenz auf 120 bis 180 Atemzüge pro Minute steigern, bei maximaler Belastung sogar bis zu 240 Atemzüge.

Im Februar lagert das Heu schon recht lange im Stadel und in den meisten Betrieben schummelt sich zwischendurch ein nicht ganz so hochwertiger Heuballen zwischen die guten. Da die Staubbelastung saisonbedingt höher ist, stößt das Immunsystem des Pferdes bisweilen an seine Grenzen. Gut trainierte, fitte Pferde halten den Winter besser aus. Ins Gelände zu reiten sollte zu jeder Jahreszeit ein fixer Bestandteil im Trainingsplan sein. Lange Aufwärm- und Cool-Down-Phasen schonen Organe und Bewegungsapparat gleichermaßen. Dabei können die Lungen Gase austauschen, Giftstoffe abgeben und frischen Sauerstoff aufnehmen. TIPP: Geben Sie Ihrem Pferd immer ausreichend Zeit, um den Stoffwechsel nach dem Training runterzufahren, damit das Pferd mit ruhiger Atmung und annäherndem Ruhepuls nach Hause kommt.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Pferde vor Allergenen, Staub und Infektionen am besten durch viel frische Luft, reichlich Bewegung und qualitätsvolles Futter geschützt sind. Ein guter Gesundheitszustand hilft dem Körper seine Vitalfunktionen im Idealbereich zu halten. Unterstützung bietet dabei die Gabe von Kräutern, ätherischen Ölen und Vitamin C.

Klassische Symptome von Atemwegserkrankungen des Pferdes

  • Abhusten und Prusten in Bewegung
  • Häufiges Husten in Ruhe
  • Atemgeräusch bei der Arbeit, auch bei leichter Arbeit
  • Leistungsverminderung durch Sauerstoffmangel
  • Sichtbare Atemrinne unter den Rippen
  • Angestrengte Atmung bei Aktivitäten, später sogar in Ruhe, wenn die Pferde nicht belastet werden

Auslöser dafür sind

  • Schlechtes Stallklima
  • Zugluft
  • Allergische Reaktionen auf Pollen oder Pilzsporen (Qualität Heu und Stroh?)
  • Infektionen durch Viren, Bakterien oder Parasiten (Lungenwürmer)
  • Chemische und mechanische Reizung durch Ammoniakbelastung und Staub
  • Chronischer Husten
  • Falsches Training, Überforderung

Text und Foto: © Andrea Kerssenbrock