Was ist zu tun, wenn sich beim Ausritt ein Gewitter zusammenbraut? Inklusive Tipps, die Ihr ziemlich sicher noch nicht kennt.
Wenn ein Gewitter im Anmarsch ist und ihr im Gelände unterwegs seid, kann es ziemlich schnell ziemlich ungemütlich werden. Wichtig ist es, die Übersicht zu bewahren. Die erste Frage lautet: Wie weit ist das Gewitter weg? 21, 22, 23 – die Zeit zwischen Blitz und Donner beschreibt die Entfernung des Gewitters. Drei Sekunden bedeuten, das Gewitter ist etwa einen Kilometer weit weg. Das ist allerdings schon sehr nah!
Man merkt die Nähe eines Gewitters auch oft an spontan einsetzendem kräftigen Wind. Das kann schon recht bedrohlich sein, wenn Wind und schwarze Wolken, Blitz und Donner so unmittelbar zusammentreffen. Trotzdem gilt: Ruhe ist ein guter Begleiter. Jedenfalls sollt ihr unbedingt darauf achten, dass ihr Schutz sucht. Entweder in einem Schuppen oder Bauernhof oder tief im Wald. Schlecht ist es am Waldrand, unter einzelnen Bäumen oder Masten, oben auf einem Hügel oder am freien Feld. Wenn schon im freien Gelände, dann unbedingt eine Mulde oder Talsenke ansteuern.
Trippeln statt Traben
Am besten ist es natürlich umgehend zurück zum Stall zu reiten, wenn das noch möglich ist. Ebene Strecken stellen normalerweise kein Problem dar. TIPP: Bergab oder auf hartem Boden zu traben kann man gemütlich unter entspannten Bedingungen ausprobieren und üben. Dabei das Pferd schön schließen und kurze, fleißige Tritte traben. Trippeln beschreibt es gut. Bläst zusätzlich starker Wind, treibt das die Pferde nochmal voran. Ich empfehle, den Stalldrang der Pferde in geregelten Maßen zuzulassen. Unbedingtes Schrittreiten macht ein Pferd, das nach Hause möchte, eher zum Gegner. Also besser cool bleiben, auf kürzestem Weg und relativ flott zurück zum Stall.
Achtet bei starkem Wind auch auf flatternde Planen oder herum fliegende Teile. Die Pferde immer schön einrahmen und nicht schauen lassen. Schnurstracks nach vorne reiten. Pferde, die am Zügel gehen, sind natürlich komfortabler zu reiten.
Reden hilft immer. Beruhigt das Pferd und auch den Reiter. Im Notfall tut’s ein Selbstgespräch.
Gruppen sollten sich trennen bzw. großen Abstand halten, so steht’s geschrieben. Das ist in der Praxis nicht leicht umzusetzen, weil Pferde lieber zusammen bleiben. Ganz besonders, wenn es heftig wird. Vielleicht doch lieber Unterschlupf suchen. Denn auch die Regel, sich vom Pferd zu trennen, klingt schon in der Theorie grausam. Praktisch möchte man sein Pferd nicht sich selbst überlassen. Das kann außerdem völlig entgleisen und schlimme Folgen haben. Also lieber die Wetter App befragen und einmal zu oft daheim geblieben. Hauptsache, sicher durch den Sommer.
Text & Foto: Andrea Kerssenbrock
