Eine Vielseitigkeit wie früher

Vielseitigkeitsturnier CCN-A CCNH-A Ried am Riederberg, NÖ, 17.–19. April 2026 | Traditioneller Sport und ein solides Starterfeld beim ersten Vielseitigkeitsturnier im Reitstall Neunteufel Meierhof. Die Wiederaufnahme der Verfassungsprüfung und der gewohnten Reihenfolge der Bewerbe hatte durchaus Charme. Und ich bin das erste Mal für HorseFolk-Club für Pferdefrauen angetreten.

Der Saisonauftakt für uns Vielseitigkeitsreiter ist immer etwas Besonderes. Wenn die ersten Pferde ankommen, Hunde zwischen Zeltboxen, Transportern und Plätzen hin und her laufen, Räder an Pferden vorbei flitzen und man da wie dort herzlich begrüßt wird, dann ist in Ried Busch Opening.

Mehr als hundert Pferde verteilten sich recht gleichmäßig auf die vier unterschiedlichen Klassen V80, V90, V100 und V105. Die Haflingerklassen waren klar unterbesetzt. Das Veranstalterpaar Conny Zach und Bernhard Neunteufel ist so eingespielt, dass man fast übersieht, was sie und ihr Team leisten. Aber nur fast. Bernhard hat außerdem seine neue Stute in die V100-Platzierung geritten – ist quasi einige Male vom Traktor in den Sattel und zurück gesprungen.

Mit der Dressur kann man zufrieden sein oder auch nicht. Das Ziel war, die Prüfung entspannt abzulegen und eine gute Ausgangsposition zu haben. Das ist naja gelungen. Mein persönlicher Eindruck war, dass die kleineren Klassen strenger bewertet wurden. Da alle Reiterinnen meiner Klasse davon betroffen waren, war es immerhin nicht ungerecht.

Den Samstagnachmittag verbrachten wir nicht wie vorgesehen im Parcours, sondern nutzten die Wetterprognose für die Geländeritte. Bester Boden, herrliches Wetter, Sonne, nicht zu heiß und eine schwungvolle Streckenführung ließen keine Wünsche offen. Eigentlich war von Anfang an klar, dass das Buschpony mit sich im Reinen und voller Elan war. Federleicht und gleichzeitig kraftvoll durchs Gelände zu galoppieren löst Glücksgefühle aus. Trotzdem wollte ich nicht übermütig werden und bis zum Schluss konzentriert reiten. Egal in welcher Klasse, viele harmonische Ritte repräsentierten unseren Sport in schönen Bildern. Auch das gibt ein gutes Gefühl.

Ein fettes Dankeschön an dieser Stelle auch an die Freiwillige Feuerwehr Ried, deren Männer den Verkehr für uns Reiter regeln, was wirklich ein gutes Gefühl ist. Schließlich ist man in beide Richtungen ein bisschen im Ausnahmezustand, wenn man die Bundesstraße überquert.

Zwei Besonderheiten

… gab es auf diesem Turnier. Das war zum einen die Verfassungsprüfung, die ausfällt, wenn das Springen unmittelbar nach den Dressurbewerben stattfindet. Diesmal also korrekte Präsentation des Pferdes am Morgen nach der Geländeprüfung. Ich habe tags zuvor das Traben an der Hand geübt – sicher ist sicher. Tatsächlich fragt mich die Richterin wie lange es her ist seit ich zuletzt vorgetrabt bin. Und tatsächlich ist es 30 (!) Jahre her.

Wir hatten also eine Verfassungsprüfung, die einigermaßen aufregend für meinen kleinen Mann war. Die Karawane an fremden Pferden vor ihm, ein weißes Plastiktischtuch  und Blumenschmuck auf seiner Hausrunde reichten aus, um den Stoffwechsel in Alarmbereitschaft zu versetzen. Vom morgendlichen Vortraben ging es zurück auf die Koppel und gegen Mittag in den Parcours. Die schöne Runde mit einem sehr motivierten Pferd habe ich fast hinbekommen. Ein Abwurf am vorletzten Sprung geht allein auf mein Konto und hat uns den Sieg gekostet, wie ich später draufgekommen bin. Das macht aber nichts, denn die Freude über den dritten Platz war ohnehin durch nichts zu trüben.

So sind wir also zu unserer ersten Ehrenrunde mit Pferd gekommen (anstatt des Podests im Festzelt), die wir bravourös im Kontergalopp beenden konnten. Mit Schmetterlingen im Bauch und den Preisen in der Hand bin ich zurück in den Stall geritten. Den Nachmittag hat mein kleiner Ben verschlafen. Ich weiß nicht, was tatsächlich müder war, aber ich denke, es war der Kopf voller Eindrücke und eher kein Muskelkater. Dafür haben wir einfach zu gut trainiert.

Insgesamt würfelten die Springprüfungen die Reihenfolgen in den verschiedenen Bewerben neu. So ist die Vielseitigkeit. Man wähnt sich in Führung und schwuppdiwupp fallen ein paar Stangen und man reiht sich hinten ein. Oder umgekehrt. Besonders turbulent ging es im Abschlussspringen der Klasse V105 zu, die mit einem dramatischen Wettersturz endete, just als die letzte Starterin des Turniers einritt und sich orkanartigen Sturmböen gegenübersah.

Sieger der höchsten Klasse V105 wurde Christoph Fenz mit Miss Merida vor Lisa Held/Bluerave Isabelle, die außerdem mit Corentin die Klasse V100 für sich entschied. Zweite und Dritte wurden die Nachwuchsreiterinnen Magdalena Zellhofer und Antonia Wichlas. Gastgeber Bernhard Neunteufel platzierte sich in der V100 auf Rang vier.

Alle weiteren Ergebnisse finden Sie hier: https://online.turnier-meldestelle.com


Text: Andrea Kerssenbrock | Bewerbsfotos: © Team Myrtill | kl. Foto privat