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Ein Pferd, ein Sturm, ein Houdini

Ein Pferd, ein Sturm, ein Houdini

Orkanartiger Wind und Pferde, das passt nicht gut zusammen. Auf flatternde Planen und Decke überm Kopf folgt eine Kettenreaktion mit Entfesselung.

Der Tag begann mit einer Meldung in der Stallgruppe „heute orkanartiger Wind, bitte aufpassen, es spukt an jeder Ecke“. Der Sturm war schlimmer als gedacht und das Pferd stand beim Reinholen ganz ruhig im Schutz der Sträucher an der Westflanke des Auslaufs. Auf den ersten Blick lag nur die Überdecke am Boden. Auf den zweiten Blick war es auch der Zaun zur Nachbarkoppel. Und auf den dritten Blick war das Pferd dann doch ramponiert. Drei von vier Beinen – eine Schwellung und mehrere winzige Schnitte an den Vorderbeinen – wurden verarztet.

Kleine Ursache, große Wirkung

Wilde Spuren eines wilden Kampfes gegen eine Kapuze

Bei der Überdecke, so ergab die Rekonstruktion, war der Schweifriemen aufgegangen, die anderen Gurte hielten, sie waren fest geschlossen. Vermutlich hatte eine Sturmböe die Decke aufgebläht und angehoben, vielleicht sogar über den Kopf geweht, das Pferd folglich in Aufruhr versetzt und eine Kettenreaktion ausgelöst. Beim Versuch sich der Decke, die wie eine Kapuze über den Kopf gezogen war, zu entledigen, waren nicht deren Gurte, sondern das Band des E-Zauns gerissen. Man kann davon ausgehen, dass praktisch jedes Pferd zum Houdini wird und sich zu befreien versucht. Irgendwann lag die Decke am Boden und das Pferd flüchtete in seinen geschützten Bereich an der Westflanke.

Pferde sind generell recht begabte Entfesselungskünstler, dazu braucht es gar keinen Wind. Meines kann sich durch bloßes Kopfschütteln seines Zaumzeugs entledigen. Olli in der Nachbarbox öffnet diese ohne Probleme, wenn wir sie nicht mit einer Kette sichern. Sie können außerdem Klettverschlüsse öffnen, Bandagen abwickeln, Decken im Stroh versenken, Fliegenhauben ausziehen und einige andere Tricks. Pferde sind ähnlich erfinderisch wie die Kuh Veronika, die gerade viral geht, weil sie sich mit einem Stallbesen kratzt.

Jedenfalls kann Sturm ziemlich turbulente Aktionen auslösen. Und weil Pferde ohnehin zu dramatischen Ereignissen neigen, kann das durchaus fatale, ja sogar gefährliche Folgen haben. Man möchte es sich gar nicht ausmalen.

Was fällt euch dazu ein? Schreibt gerne eure Erfahrungen in die Kommentare ↓


Text & Fotos: © Andrea Kerssenbrock

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