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Kommentar

Kommentar

Meine Verbundenheit zu jenem Haus, das ich in der Ära Gürtler mitgestalten durfte, bringe ich nun als Autorin zum Ausdruck.
Andrea Kerssenbrock

Weil ich dieser Tage wieder mit einigen Grobheiten konfrontiert war – und mir dabei vieles durch den Kopf geht.

Ich mag Frau Gürtler. Ich schätze ihre Kompetenz, ihre Disziplin und ihre Art die Dinge anzupacken. Ihr Perfektionismus sucht seinesgleichen – ob es nun um das perfekte Setting für einen Staatsgast geht oder um die richtige Wahl der Worte. Elisabeth Gürtler nennt die Dinge beim Namen und scheut auch den Widerstand nicht. Als erste Frau an der Spitze der Spanischen Hofreitschule hat sie Maßstäbe gesetzt, die sich nicht auslöschen lassen – selbst, wenn ihr Name von der Website verschwindet. Sie kannte die Geschichte des Hauses schon bevor sie zur Geschäftsführerin bestellt wurde und kann diese in drei Sprachen ausführen. Sie ist eine Pferdefrau durch und durch und weltweit als solche respektiert. Ihr muss man nicht erklären wer Christine Stückelberger ist und was eine gelungene Pirouette von einer nicht gelungenen unterscheidet.

Frau Gürtler hat die Spanische Hofreitschule für Frauen geöffnet und jungen Reiterinnen damit eine grandiose Perspektive eröffnet. Sie war von Beginn an überzeugt, dass feine, einfühlsame Damen die Herren in der Reitbahn ideal ergänzen können. Als Reiterin, die selbst bis in die höchste Dressurklasse geritten ist, weiß sie, wovon sie spricht. So lehnt sie etwa Faulheit, Grobheit und Übergewicht generell, insbesondere aber in Verbindung mit dem Pferd, vehement ab. Draußen in der Welt des Sports (und der Konkurrenz) können sich Berufsreiter nur wenig Attitüden leisten. So gesehen ist die Spanische Hofreitschule ein wenig wie ein geschützter Arbeitsplatz – jedenfalls für jene Mitglieder der Reitbahn, die von den Tüchtigen, den Feinen und den Meistern ihres Fachs mitgetragen werden.

Als Journalistin habe ich ihre Art mit den Medien umzugehen sehr geschätzt. Als ihre Sprecherin ist die Professionalität dazu gekommen, die ich bewundert und von der ich gelernt habe. Es gibt praktisch keine Bühne, die Frau Gürtler unvorbereitet betritt – weder habe ich sie jemals in der Sache noch in der Rhetorik stolpern sehen. Sie war offen für Anregungen und hat ehrliche Einschätzungen eingefordert. Diese Zusammenarbeit auf Augenhöhe und das gemeinsame Thema Pferd konnte ich mit Stallmeister Johannes Hamminger in unserem gemeinsamen Buchprojekt umsetzen, für das Elisabeth Gürtler wieder einmal die richtigen Worte fand. Meine Verbundenheit zu jenem Haus, das ich in der Ära Gürtler mitgestalten durfte, bringe ich nun als Autorin zum Ausdruck. Dass ich eine Vergangenheit als Berufsreiterin mit sehr guter Ausbildung habe, ist dabei kein Nachteil.

Text und Foto: Andrea Kerssenbrock

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