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Die Verantwortung der geprüften Reitausbilder

Die Verantwortung der geprüften Reitausbilder

Rückblick auf die OEPS Fortbildung zum Thema Haftung und Kalkulation in Reitschulbetrieben.

Mit einer staatlichen Prüfung, so hat mir mal ein Reitstallbetreiber gesagt, erwerbe man einen “Titel ohne Mittel”. Das hat mich sehr getroffen. Denn tatsächlich ist es ja besonders im Reitsport gang und gäbe, dass jeder, der genügend Selbstbewusstein an den Tag legt, sich hinstellen und unterrichten darf. Vom Österreichischen Pferdesportverband fühlt man sich nicht immer unterstützt. Er nimmt billigend in Kauf, dass der Wildwuchs zu Lasten von Mensch und Tier besonders im Freizeitsport ungehindert blüht.

Nun gesellt sich zum Selbstbewusstsein der Selbsternannten gerne die Selbstüberschätzung. Die Folgen davon bleiben nur zu oft unbemerkt. Denn es trifft hauptsächlich Reiterinnen und Reiter, die nicht im Rampenlicht der Turnierberichterstattung stehen. Unglückliche Reiterinnen und kranke Pferde bezahlen einen hohen Preis. Zerstörte Grundgangarten, desaströse Verspannungen und Verhaltensstörungen bis hin zur Selbstaufgabe hat kein Pferd dieser Welt verdient. Ich sehe solche Tiere regelmäßig dort, wo nicht qualifizierte Trainerinnen und Trainer ihren Unfug von sich geben.

Geprüfte Ausbilder sind verpflichtet in regelmäßigen Abständen Fortbildungen zu besuchen, um eine Verlängerung ihrer Trainerlizenz zu sichern. Sie unterliegen zudem einer erhöhten Sorgfaltspflicht, da sie von Berufs wegen die Risiken im Pferdesport anders einschätzen können als ein Einäugiger, der den Blinden unterrichtet. Die Qualität der Ausbildung ist auch nicht an sportlichen Spitzenleistungen messbar. Denn gut zu reiten bedeutet nicht automatisch gut zu lehren. Und zum sportlichen Erfolg braucht es nicht nur reiterliches Können.

In Reitschulen soll, muss und darf eigentlich nur geschultes Personal unterrichten. Auch dafür gibt es Leitlinien. Besonders die so wichtige Grundausbildung wird ohnehin selten von Kaderreitern angeboten. An der Basis unterrichten tendentiell jene Ausbilder, die den Turniersport noch vor sich, schon hinter sich oder gar nicht im Fokus haben. Wer also den aufwändigen Weg einer fundierten Ausbildung auf sich nimmt, Prüfungen ablegt und sich in Folge laufend fortbildet, sollte grundsätzlich nicht mit Selbstvermarktern in Konkurrenz stehen müssen. Dafür braucht es auch Unterstützung durch den Verband.

Die Video-Fortbildung des OEPS Ausbildungsreferates unter der Leitung von Dr. Susanna Kleindienst hat eindrucksvoll gezeigt, wie fokussiert und verantwortungsvoll Kolleginnen und Kollegen in allen Sparten des Pferdesports mit ihrer Aufgabe umgehen. Für viele von ihnen ist der Beruf tatsächlich Berufung. Das an die Öffentlichkeit zu tragen ist eine Sache – der Zusammenhalt der Reitlehrer könnte ein Fundament dafür bilden. Einsteiger bei der Hand zu nehmen, damit sie ihren Weg in den Reit- oder Fahrsport auf dem richtigen Pferd, im professionellen Setting und mit fundiertem Unterricht starten, ist eine andere Sache – und die Aufgabe von uns allen. Nur damit untergraben wir dilettantisches Auftreten von Trainern, die diesen Namen nicht verdienen.

Dass dieses Angebot auch seinen Preis haben muss, hat Magª Doris Täubel-Weinreich zum Abschluss des lehrreichen Tages besonders hervorgehoben. Mit ihrer klugen, fachlich hervorragenden Moderation hat sie allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Seminars ans Herz gelegt, ihren Wert ehrlich zu reflektieren und in der Folge entsprechend zu kalkulieren. Denn Pferdesport – auch wenn es noch so oft behauptet wird – ist kein Breitensport. Es ist vielmehr ein exklusiver Sport, der neben ausgebildeten Pferden auch eine angemessene Infrastruktur voraussetzt. Die Reitstunde kann und darf nicht der billigste Posten in diesem Setting sein.

Persönlicher Tipp von mir: Lieber mal in eine Reitstunde extra investieren und dafür auf die siebente (oder achte?) Schabracke mit Glitter und farblich abgestimmten Bandagen verzichten. Davon profitieren Pferd und Reiter.

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