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Working Class Hero

Working Class Hero

Die unglaublich wahre Geschichte des Rennpferdes „Dream Alliance“. Ein Sieger, der aus dem Nichts kam, der eine Nation begeisterte, der seine Eigentümer glücklich machte. Eine Geschichte wie großes Kino. Equinale-Wunschfilm.

Cefn Fforest wäre nicht gerade erste Wahl, wollte man Touristen nach Wales locken. Idylle sieht anders aus. Cefn Fforest ist ein graues Dorf im alten Kohlerevier. Beherrscht von Schlacke, Staub und kargem Lohn. Doch selbst der Kohlebergbau ist nicht mehr. Die vergangenen Jahrzehnte haben es definitiv nicht gut gemeint mit Cefn Fforest. Kaum wo im Vereinigten Königreich ist die Arbeitslosigkeit höher als hier in den Tälern des südlichen Wales.

Halt bieten dann ein Pint und der eine oder andere Traum. Zum Beispiel, wie es denn wäre, hielte man Anteile an so einem Rennpferd, das von Sieg zu Sieg galoppiert.

Pubgespräche. In den Raum gesprochen, benickt und schnell wieder vergessen.

Nicht in Cefn Fforest. Denn da steht Jan Vokes hinter dem Tresen des Working Men’s Club und zapft das Bier und hört zu und spinnt den Gedanken weiter.

Jan Vokes ist eine Frau mit Erfahrung. Sie hat Whippets gezüchtet. Und Tauben. Mit denen hat sie sogar Preise gewonnen. Wie schwer wäre es denn nun ein Pferd zu züchten?

Gar nicht so schwer, beschließt sie.

Jan Vokes rekrutiert ihren Mann, Brian, und Howard Davies, einen Gast aus dem Working Men’s Club, der einmal Anteile an einem Rennpferd gehalten hatte. Sie legen zusammen. Sie erwerben eine Stute. Für 350 Pfund. Das wahrscheinlich langsamste Rennpferd in Wales. Sie paaren sie mit einem alternden Hengst. Kostenpunkt 3.500 Pfund. Erfolgreich.

Das Fohlen ziehen sie in ihrem Schrebergarten groß. Der Schrebergarten befindet sich auf einer alten Abraumhalde.

Trist?

Nicht doch. Ein Traum. Mittlerweile hat sich ein Syndikat gebildet. 23 Freunde sind es nun, die Woche für Woche zehn Pfund in Haltung, Pflege und Ausbildung des kleinen Hengstes investieren. Er ist ihr Traum. Sie formen eine Allianz. Also nennen sie ihren Hoffnungsträger „Dream Alliance“.

Dann geschieht das Unglaubliche. „Dream“ läuft seinen blaublütigen Artgenossen davon. Er ist ein Siegerpferd. Der Außenseiter von der Schlackenhalde.

Bis er schließlich in Aintree antritt und ausscheidet. Mit einer gerissenen Sehne.

Bei Menschen entspricht diese Verletzung einem Riss der Achillessehne. Schmerzhaft und unerfreulich. Bei Rennpferden bedeutet das in aller Regel noch auf der Rennbahn eingeschläfert zu werden. Dann kann die Versicherung in die Pflicht genommen werden.

Das Syndikat und der Jockey aber entscheiden anders. Gleich ums Eck liegt die Royal Veterinary Clinic. „Dream“ soll seine Chance haben. Seine Chance auf ein Leben. Das, so meinen seine Eigentümer, schulden sie ihm.

20.000 Pfund kostet die Stammzelltherapie, die von den Ärzten erwogen wird. Neu. Revolutionär. Bislang nicht erprobt. Ein hochriskantes Unterfangen. Es gibt keine Garantie, dass der Hengst gesundet. Das Syndikat stimmt zu. Die Therapie ist eine Chance.

18 Monate später kehrt „Dream Alliance“ auf die Rennbahn zurück. Er kehrt nicht nur zurück. Er triumphiert. „Dream Alliance“ gewinnt das Welsh National. Das sind Headline News!

Die britischen Medien überschlagen sich vor Begeisterung. „NAGS TO RICHES! SLUMNAG MILLIONAIRE! CHAMPION THE WONDER HORSE!“. Hollywood wird aufmerksam. Das ist großes Kino. Denn die Geschichte ist wahr.

Im April 2010 schließlich tritt „Dream Alliance“ noch einmal in Aintree an. Zum prestigeträchtigsten Rennen des Königreichs, dem Grand National.

Er scheidet aus. Die Blaublüter bleiben unter sich.

Heute lebt „Dream Alliance“ ein „Pensionistendasein“ auf einer Weide. In Cefn Fforest geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Jan Vokes arbeitet sechs Tage die Woche als Reinigungsfachkraft. Brian Vokes, einst Rausschmeißer in einem Nachtclub, ist im Ruhestand. Howard Davies schreibt ein Buch und erzählt allen, die es hören wollen, davon, dass er an einem Rennpferd namens „Dream Alliance“ beteiligt war. Und Hollywood? Hollywood hat den Plan, die Geschichte zu verfilmen aufgegeben. Dafür haben Regisseurin Louise Osmond und Produzentin Judith Dawson die „unglaublich wahre Geschichte von Dream Alliance“ verfilmt. Mit den echten Menschen. Mit dem echten „Dream Alliance“. In Cefn Fforest.

Hier geht es zum Trailer → DARK HORSE

Text: Franziskus von Kerssenbrock
Fotos: © Picturehouse Entertainment

 


Horsefilmfestival Equinale

30.06. – 02.07.2017
Spanische Hofreitschule Wien

„Die schönsten Pferdefilme in der schönsten Reithalle der Welt!“