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Im Zeichen der Kultur

Im Zeichen der Kultur

Das jahrhundertealte Wissen um die Lipizzanerzucht im Gestüt Piber wurde  zum nationalen immateriellen Kulturerbe der UNESCO ernannt.

Der Lipizzaner ist die älteste Kulturpferderasse Europas. Dahinter steht ein umfangreiches Wissen um Zucht, Haltung und Ausbildung der Pferde, das seit mehr als 400 Jahren von Generation zu Generation weitergegeben wird. Träger dieses Wissens in Österreich sind die MitarbeiterInnen des Lipizzanergestüts Piber, das seit 1920 Lipizzaner für die Spanische Hofreitschule in Wien züchtet.

Landwirtschafts- und Umweltminister Andrä Rupprechter: „Das umfangreiche Wissen um die Zucht, Haltung und Ausbildung der ältesten Kulturpferderasse Europas ist die Grundlage des weltweiten Erfolgs der Lipizzaner und der Spanischen Hofreitschule. Die UNESCO-Auszeichnung ist nicht nur Würdigung, sondern auch Auftrag, dieses Erbe für die künftigen Generationen zu sichern. Die Lipizzaner sind heute lebendiges Wahrzeichen Österreichs und als edle Botschafter in aller Welt ein hervorragendes Beispiel für ,Best of Austria‘.“

Kommentar
Die Entwicklung rundum Spanischen Hofreitschule, Trainingszentrum Heldenberg und Gestüt Piber ist ein Aufschwung, den ich beobachte und irgendwie auch begleite. Ich habe die weißen Pferde schon als kleines Kind bewundert. Viele Emotionen rund um die Lipizzaner sind unvergessen. Mein erster Ausflug nach Piber ist 35 Jahre her und sollte mir Trost sein. Ich hatte einen Freund verloren.

20 Jahre danach musste ich das Turnierzelt in Piber verlassen, weil die Lautsprecheranlage außer Kontrolle geriet. Das noch ungeborene XYpsilon randalierte dermaßen in meinem Bauch, dass ich Sorge hatte zu platzen. Na gut, die Musik war echt grauenvoll!

In den Jahren dazwischen begegnete ich Bereitern bei Lehrgängen, und gemeinsam absolvierten wir die Reitlehrerausbildung. Das verbindet. Ich besuchte mit dem allerliebsten Großonkel – der, mit dem Pferdegen – die Morgenarbeit und rührte ihn zu Tränen. Wir durften in der Loge sitzen. So etwas Schönes hätte er nie vorher und nie nachher erlebt, erzählte er mir vor wenigen Tagen an seinem 93. Geburtstag.

Auch an das Interview mit dem Choreographen Renato Zanella erinnere mich gerne. Damals war es „Zivilisten“ noch nicht erlaubt, den heiligen Boden der Winterreitschule zu betreten – in der Tat eine Herausforderung beim Fotoshooting mit dem obligaten Pferdekopf im Hintergrund. Heute wird in den Räumlichkeiten getanzt, die wunderbare Feté Imperial steht unmittelbar bevor. Frauen tanzen nicht nur auf dem Parkett des Ballsaals sondern auch im Sattel, beim Ballett der weißen Hengste.

So gehen die Jahre dahin. Die Zeiten ändern sich, gewisse Traditionen bleiben. Ich gehöre nicht zu denen, die den alten Zeiten nachtrauern. Ich vermisse Menschen. Keine Rituale. Heute erlebe ich die Stimmung in der Stallburg so ausgeglichen wie das Abschnauben der Hengste im Trainingszentrum. Ich entdecke das tiefe Wissen jener Menschen, die mit diesen Pferden so innig zusammenarbeiten. Und ich genieße, wenn Fohlen, Stuten und Hengste sich vertrauensvoll mir zuwenden obwohl sie mich nicht kennen.

Das Team der Spanischen – von der Geschäftsführung abwärts – weiß um die Bedeutung und den Wert seiner Arbeit. Es passiert, was passieren muss. Dem Wohl der Pferde steht der Fortschritt augenscheinlich nicht im Wege – das hat auch das Komitee der UNESCO erkannt. Und nun zum zweiten Mal eine Auszeichnung an die Spanische Hofreitschule und das Gestüt Piber vergeben.   AvK


Links
Spanische Hofreitschule, srs.at
UNESCO Eintrag

Foto: © Beatrice Oanes

1 Comment

  1. Bertie 04/07/2016

    Essays like this are so important to broadening people’s horizons.

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