Die Schönheit der Seele

Der Lusitano ist ein Pferd, sinnlich auf ganz eigene Art – er bewegt all unsere Sinne. Eine Rezension, die zu einer Begegnung wurde.

Der Lusitano im Spiegel unserer Reitkultur. In ihrem prächtigen Bildband – Geschenktipp! – nimmt uns Autorin Birgit Vock-Wannewitz mit auf ihre Reise durch Portugal. Wir begegnen jenen Pferden, die sie diese Liebeserklärung in Form eines Buches schreiben ließen. Dem Lusitano, der unsere Sinne bewegt. Durch seine Schönheit, den Glanz, die Kraft und seinen Duft.

Begleitet werden die einfühlsamen Worte von den prachtvollen und intensiven Bildern der Fotografin und Pferdefrau Amy Riley. Mit ihrem Auge für’s Wesentliche hat sie Traditionen, Momente und Geschichten eingefangen. Geschichten, die neugierig machen, die berühren und solche von denen wir lernen. Wir begegnen dem Land und seinen Menschen – und den Pferde, die uns so faszinieren, dass wir nicht aufhören von ihnen zu träumen.

Sich dem Zauber des portugiesischen Pferdes zu entziehen ist nicht möglich. Darum eignet sich das Buch auch als Reiselektüre – die Reise führt nach Lusitanien. Zu Fadoklängen und Folklore. Zu Viehherden ihren Hirten, den Campinos. Zu den Wurzeln von Working Equitation und den Trachten. Wir beginnen zu verstehen.

„Er sieht dich aus seinen großen, klugen Augen an. Dabei sieht er nur in deine Seele, denn dein Äußeres ist für ihn ohne Belang. Er wird sich dir nicht an den Hals werfen oder sich dir anbiedern. In der Natur ist er es gewohnt, auf sich selbst aufzupassen, sein eigenes Leben zu leben, dort braucht er den Menschen nicht.“

Wir erfahren einiges von Ausbildung und Eignung des Lusitanos, von Zuchtprogrammen und Pferdefesten. Als Barockpferde und Working Equitation Winner haben sie unsere Breiten erobert, aber auch auf Turnierplätzen sorgen die Lusitanos immer wieder für Begeisterung.

Ach ja, der Stierkampf! Ein Tanz der Körper, bei dem kein Blut in die Arena fließt. Nur Rhythmus und Energie, Kraft und Eleganz, das Feuer und das Temperament des Südens. Im Mittelpunkt das Pferd.

„Wenn die Musik beginnt, ist er ganz für dich da, und zugleich doch auch ganz bei sich. Und dann reitet ihr ein, in die Arena, die Halle, auf den großen Platz, nehmt den ganzen Raum für euch ein und spürt die Blicke des erwartungsfrohen Publikums. Ihr möchtet sie alle begrüßen, die vielen Augenpaare, die euch bewundern, bestaunen, vielleicht sogar gern mit euch tauschen würden.“

Der Text der Autorin verliert sich dennoch nicht in seiner Wortkunst. Wir erfahren viel über die Rasse. Wofür der Lusitano gebraucht wurde und wird, wo man ihn einsetzt, wofür er sich besonders gut eignet und warum. Das Buch räumt mit Klischees auf und Vock-Wannewitz scheut sich nicht heikle Themen anzusprechen. Sie versteht viel von der Rasse und lässt ihr Wissen in fast beiläufigen Passagen einfließen.

„In drei geschwungenen Linien lässt sich die Natur der Morphologie eines perfekten Lusitanos erkennen: Eine für die runde Kopf-Hals-Silhouette, beginnend an den Nüstern, über den konvexen Kopf fast übergangslos zum imposant aufgewölbten und schön bemuskelten Hals; eine zweite Linie für die runde Brust, die harmonisch Hals und Rumpf verbindet; eine dritte für die Hinterhand, beginnend am fließenden Übergang vom Rücken in die wunderbar runde und harmonische Kruppe bis zur kraftvollen und versammlungsfreudigen Hinterhand.“

Summa summarum ein Buch, das unbedingt eine Empfehlung ist. Für Reiterinnen und Reiter, die in der barocken Reitkunst, im Damensattel oder in der Working Equitation zuhause sind, ist es eine Pflichtlektüre. Darüberhinaus eignet es sich hervorragend als Table Book, weil es so schön ist. Das wäre aber schade!

Buchcover_Lusitano


Sinnbild einer Leidenschaft. Der Lusitano im Spiegel unserer Reitkultur
von Dr. Birgit Vock-Wannewitz, evipo Verlag
80 Seiten, 21 x 26 cm,
Hardcover
ISBN: 978-3-945417-04-1