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Das Pferdekind friert!

Das Pferdekind friert!

Das Pferdekind friert nicht und zuviel Putzen zerstört die schützende Talgschicht. Es wird sohin auch in Zukunft nicht eingedeckt und selten gebürstet. Die Wissenschaft gibt mir recht.

Ich mag es zwar nicht als Rabenmutter hingestellt zu werden, aber ich habe gelernt, damit zu leben. Die Rabenmutter ist mir in diesem Winter schon mehrmals passiert. Zuerst hatte das XYpsilon (Menschenkind) eine Wette laufen, die es selbstredend gewann. Bis Weihnachten trug der Bub also ausschließlich kurze Hosen – er hat es gut überstanden. Ich bin, glaube ich, knapp an der Jugendfürsorge vorbeigeschrammt. Am Heiligen Abend sind wir alle geschniegelt und in langen Hosen um den Christbaum gestanden und haben fürstlich gegessen.

Das Pferdekind lebt – ebenfalls fürstlich – in eine Doppelbox und frisst sich rund. Aber Hallo!, es trägt immer noch keine Decke. Der Junghengst ist nun zweieinhalb Jahre alt und hat sich prächtig entwickelt, finde ich. Er hat ein Zottelfell und ist immer ein wenig schmutzig. Auch dafür sollte ich mich schämen. Mein eiserner Standpunkt sorgt für Unverständnis bei jenen Damen, die fürsorglicher sind als ich. Eindecken, erziehen, putzen – schlicht „mich kümmern“ wird erwartet. Ich finde meinen Pferdebuben super. Er lässt sich brav führen (jedenfalls von mir und anderen pferdekundigen Menschen), hält beim Schmied still – „Solche Typen wie dich mag ich!“, knuddelt jener besagtes Jungpferd – und er lässt sich problemlos am ganzen Körper bürsten (wenn ich Zeit habe, was tatsächlich nicht besonders oft ist).

Keine Bodenarbeit für meinen Zweieinhalbjährigen, um sein Selbstbewusstsein zu stärken (gutgemeinter Tipp), kein Spazierengehen (das mache ich mit meinem Hund). Ganz im Gegenteil, ich werde ihm noch den ganzen Sommer auf der Weide schenken und im Herbst ganz gemütlich anreiten. Wenn er sehr frech ist, anreiten lassen (– es soll ja jüngere Menschen geben, die das genauso gut hinkriegen).

Der Bericht zur Thermoregulation der Pferde kommt also gerade recht. Wie gut der Thermoregulationsmechanismus wirklich wirkt und wieviel schwerer es für ein Pferd ist abzukühlen als aufzuwärmen, das wurde in zahlreichen Studien hinlänglich analysiert. Aber warum Decken und Schur dem Pferd ziemlich zu schaffen machen können, das erfahren Sie in diesem Artikel von vet-tcm.de. Lesenwert!

PS: Die Mutter meines Pferdekindes habe ich trotzdem eingedeckt. Aus irgendeinem Grund bin ich überzeugt, dass eine wetterfeste Decke der Stute gut tut, wenn sie auf dem Paddock Wind und Minusgraden ausgesetzt ist. Und wenn die alten Knochen es warm haben. Ich laufe ja auch nicht bis Weihnachten in kurzen Hosen. Mit meinen alten Knochen.

Kommentar: Andrea von Kerssenbrock
Foto: HorseFolk

 

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